Fahrrad oder Therapierad – das war die Frage

Im Internat wurde für Patrick einiges angeboten, um in der Gruppe aktiv dabei zu sein. Wir wollten Patrick ermutigen, auch mitzumachen, sich etwas mehr zu bewegen und an die frische Luft zu kommen. Deshalb hatten wir uns überlegt, ihm ein Fahrrad zu besorgen.


Aber welches ist das richtige und was können wir gegen die Angst machen, dass er stürzt und sich weh tut? Auch die Angst, er könnte dadurch vermehrt Blasen und Wunden bekommen, musste überwunden werden. Patrick meinte nur, er möchte es probieren. Falls es zu arg weh tun würde, würde er schon freiwillig aufhören.


Daraufhin haben wir uns erstmal bei anderen Betroffenen umgehört und mit den Ärzten gesprochen, was das Beste wäre. Einige fahren ganz normal mit ihrem Bike und andere wiederum verzichten aus Angst ganz auf das Radfahren. Er wollte es aber unbedingt versuchen und mobil sein.


Schnell wurde uns klar, damit wir alle unbesorgt sein und wir ihm trotzdem den Wunsch erfüllen können, kommt nur ein Therapierad in Frage. Also haben wir einen Antrag bei der Krankenkasse gestellt, in der Hoffnung, er wird genehmigt. Und siehe da, es hat geklappt. Schnell war das passende Rad gefunden, angepasst und dann ging es los. Ab auf die Straße – die Angst und Sorge in unseren Köpfen immer dabei.


Wir konnten am Anfang gar nicht glauben, wie er durch die Gegend geflitzt ist. Mit einer Begeisterung fuhr er auf und ab und lachte aus vollem Herzen vor Freude. Dann kam der große „Moment der Wahrheit“ beim Verbandswechsel: Welche Blessuren hat er sich geholt und welche Stellen sind am meisten betroffen? Wie nicht anders zu erwarten, haben die Leisten und das Gesäß am meisten gelitten. Aber es hielt sich im Rahmen und so durfte er weiter seine Runden drehen. Der Sattel wurde umgedreht, um den Po zu entlasten und die Leistengegend wurde nach einem anderen System verbunden – was aber leider auch nicht wirklich geholfen hat.


Also musste Patrick akzeptieren, dass er nur fahren durfte, wenn die Leisten gut abgeheilt waren. Das war zum Glück recht oft der Fall.


*** Beitrag verfasst von Georg Porzel



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