Interview mit Can Yetimoglu zur Herzenswunsch-Aktion

Can Yetimoglu (15) lebt mit seinen Eltern und seinem kleinen Bruder in Lüdenscheid. Er leidet an der dystrophen Form von Epidermolysis Bullosa. In letzter Zeit hatte sich sein Zustand leider sehr verschlechtert. Aufgrund seiner vernarbten Speiseröhre hat Can momentan zunehmende Probleme bei der Nahrungsaufnahme, wodurch er stark abgenommen hat. Das belastet ihn nicht nur körperlich, sondern insbesondere seelisch.


Adservior hat deshalb kurzerhand eine Herzenswunsch-Aktion für Can gestartet. Im Juli und August 2017 wurde vor allem über Facebook dazu aufgerufen, für Can zu spenden und ihm so etwas Ablenkung und neuen Lebensmut zu geben. Rund 2.750 Euro sind auf diese Weise zusammengekommen, sodass Can in den Ferien ein paar Ausflüge unternehmen konnte – unter anderem einen Besuch bei der GamesCom, eine der größten Messen für interaktive Unterhaltungselektronik (Video- und Computerspiele). Als krönenden Abschluss gab es für Can von den Spenden einen eigenen PC.


Georg Porzel, Geschäftsführer von Adservior, hat Can jetzt interviewt, ihn zu seinem neuen PC und zur Herzenswunsch-Aktion befragt.


Porzel (P): Und, wie ist das jetzt für dich, mit Computer und eigenem Gaming?


Can (C): Also, das ist halt was Tolles. Früher konnte ich mir das nicht ermöglichen selber, aber jetzt ist es superschön. Mit meinen Freunden zu spielen und so ist schon sehr cool.


P: Und der Auslöser für den PC-Kauf war der Besuch bei der GamesCom?


C: Nee, auch im Voraus wollte ich mir das immer schon wünschen, aber da mein Vater gesagt hatte: Nein, wir müssen warten und noch ein bisschen sparen, da hatte ich es erstmal wieder vergessen. Als dann aber meine Freunde gesagt haben, hol dir doch mal nen PC, da wollte ich das auch gern. Und auf der GamesCon hatte ich dann wieder PCs gesehen, die was wären. Deswegen auch, ja. Ist der Auslöser ein bisschen das gewesen.


P: Hast du denn auch vor, mit deinem besten Kumpel aus der Türkei per Skype in Kontakt zu bleiben?


C: In der Türkei haben glaub ich gar nicht so viele Leute PCs. In der Türkei kostet das fast 10.000 türkische Lira, ich glaube nicht, dass sie das holen. Ja, das ist schon etwas sehr Angenehmes.


P: Und ist der Computer ein Stück Freiheit für dich?


C: Ja, natürlich. Damit kann ich auch mal komplett abschalten. Wenn ich zum Beispiel Schmerzen habe, dann denke ich überhaupt gar nicht mehr daran, denn wenn ich spiele, habe ich das komplett vergessen. Das ist dann eine Erleichterung. So Freizeitaktivitäten … ich kann ja auch nicht raus wie andere Kinder, deswegen.


P: Weißt du eigentlich, dass du dann die Kopfhörer auch zum Verbandwechsel aufhaben und dabei Musik hören könntest?


C: Echt?


P: Ja.


C: Äh nee, hab ich noch nicht probiert.


P: Das macht Patrick [Anm. d. Red.: Sohn von Georg Porzel mit Epidermolysis Bullosa]. Er hört zum Beispiel beim Verbandwechsel, bevor die Schwestern ihm die Ohren abreiben, macht er sich Musik an und hört mit seinen Kopfhörern auf den Ohren …


C: … ja, das sollte ich auch mal machen. (freut sich) Guck mal, ich kann dir was zeigen, ich habe … Status … Ach was, 86 MBit – wuuuuh, ne Topleistung!


P: Oh ja …


C: Ey, das Ding ist ja schnell!


P: Wie war denn dann dein Besuch auf der GamesCom?


C: Oooh, es war wirklich emotional, muss ich schon sagen! Weil ich gucke ja YouTube seitdem ich zehn Jahre alt bin und diese YouTuber habe ich auch seit damals schon verfolgt. Deswegen, die so selber persönlich zu treffen, war irgendwie ein krasses Gefühl mit dem man nicht rechnet. Das war echt schön. Unbeschreiblich schön.


P: Und vor allem nehmen die sich auch viel Zeit für dich, oder?


C: Ja, ich durfte Backstage rein sogar, tatsächlich, und welche haben mit mir Fotos gemacht, beziehungsweise einer hat mit mir Fotos gemacht, aber das reicht mir auch schon. Ich hab ja keine Extrawünsche, einer reicht schon.


P: (lacht) Einer reicht schon …


C: Ich hab Autogramme bekommen und ‘n Bild, was will ich mehr?! (lacht)


P: Und wie fandest du die Aktion, dass Adservior sich für dich eingesetzt hat?


C: Unbeschreiblich! Also kein anderer würde das freiwillig machen. Ich muss ja ehrlich sagen, wir haben uns so super gefreut, als ihr das gesagt habt, dass ihr sowas machen wollt und da im Nachhinein beim Nachdenken hab ich schon die eine oder andere Träne vergossen, schon …


P: … das ist ja auch nicht schlimm. Eine Träne ist ja auch nichts Schlechtes. Würdest du das jederzeit jemandem anderes empfehlen, zu sagen, wendet euch an Adservior …


C: (unterbricht P) Allen, allen, allen! Die Leute, die die Möglichkeit nicht haben … Aber nicht betteln, betteln ist nicht gut. Aber so tolle Leute um sich zu haben, ist sehr schön und ich würd das jedem empfehlen.


P: Das ist schön zu hören. Letztendlich gilt der Dank ja nicht nur Adservior, sondern denen, die dann auch bei Adservior für dich gespendet haben.


C: Ja! Danke, danke jedem, der gespendet hat. Jedem, der überhaupt dran gedacht hat, auch wenn sie nicht gespendet haben, ist egal! Also danke auf jeden Fall allen, die das geteilt haben und gesehen haben. Danke halt für alles.


*** Das Interview führte Georg Porzel, Geschäftsführer der Adservior gemeinnützige GmbH


Foto: Can in seinem Zimmer an seinem neuen, eigenen PC.



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